Integration von Flüchtlingen an bayerischen Hochschulen

Zwischen akademischer Bildung und gesamtgesellschaftlicher Verantwortung - Positionspapier des Verbunds der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften zum Umgang mit Geflüchteten veröffentlicht.

Vor der Aufnahme eines Studiums gilt es für viele Migrantinnen und Migranten, die sich fluchtbedingt in Bayern aufhalten, in einem ersten Schritt ihre allgemeinen Lebensverhältnisse zur ordnen. Die Anzahl der von Geflüchteten in Anspruch genommenen Maßnahmen an Hochschulen sowie die Zahl der tatsächlich immatrikulierten Personen mit Fluchthintergrund gestalten sich daher regional noch sehr unterschiedlich. Von einer zeitversetzt steigenden Nachfrage nach Hochschulbildung ist dennoch auszugehen. Wie andere gesellschaftliche Akteure sehen sich so auch die bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) mit der Aufgabe einer nachhaltigen Einbindung von Flüchtlingen konfrontiert. Für die Hochschulen stellen sie dabei eine neue Gruppe der aus dem Ausland kommenden Studieninteressenten dar, für die sich ihre bisherigen Internationalisierungsstrategien aber nicht als passgenau erweisen. Um bereits frühzeitig die notwendigen Konzepte zu entwickeln, haben sich im Frühjahr Vertreter der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Hochschulzentrum Vöhlinschloss in Illertissen zu einer von Hochschule Bayern organisierten Netzwerkveranstaltung getroffen. Als Ergebnis des Gedankenaustausches liegt das Positionspapier des Verbunds der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften zur „Integration von Flüchtlingen an bayerischen Hochschulen“ vor.

Dauerhafte Bildungsperspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge
„Dank der ausgezeichneten Qualität ihrer wissenschaftlichen Studiengänge bieten die bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften studierfähigen Flüchtlingen die Perspektive einer akademischen Qualifizierung auf hohem Niveau. Spezielle Angebote der Hochschulen wie sprachliche und fachspezifische Vorbereitungskurse für Geflüchtete zielen auf den Ausgleich strukturell bedingter Bildungslücken. Sie stellen aber keinen Ersatz zu schulischer Vorbildung oder studienvorbereitenden Maßnahmen dar, die nicht zum originären Bildungsauftrag der Hochschulen zählen.“, erklärt Prof. Dr. Uta M. Feser, Präsidentin der Hochschule Neu-Ulm und Vorsitzende des Verbunds der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die Hochschulen stehen dabei vor einer doppelten Herausforderung. Neben der Integration von Flüchtlingen in bestehende Studienangebote und einer Entwicklungen von neuen Formaten etwa zur Weiterbildung von Migrantinnen und Migranten mit akademischer Vorbildung, stellen die Hochschulen gleichzeitig auch Sozialräume für diese potentielle Studierendengruppe dar. Hier ist auch die Sensibilisierung aller Hochschulangehörigen für die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Fluchterfahrungen von Bedeutung. „Die Hochschulen sehen sich in einer gesellschaftlichen Verantwortung“, betont Prof. Dr. Uta M. Feser. „Sie fördern so etwa ehrenamtliches Engagement ihrer Mitglieder oder öffnen ihre Lehrveranstaltungen für neue Konzepte wie beispielsweise service-learning.“

Voraussetzung einer nachhaltigen Integration von Flüchtlingen an Hochschulen
Derzeit bestehen an den Hochschulen jedoch noch viele Unsicherheiten im Umgang mit Flüchtlingen. „Damit die Hochschulen ihren sozialen Verpflichtungen vollumfänglich gerecht werden können, sind zahlreiche Voraussetzungen erforderlich“, betont Prof. Dr. Uta M. Feser. „Dazu gehören neben der genauen Definition des gesellschaftlichen Auftrags der Hochschulen durch Politik und Gesellschaft auch die Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, wie etwa von Versicherungs- und Zulassungsfragen, sowie der Anhebung der finanziellen Spielräume.“

Das vollständige Positionspapier zur „Integration von Flüchtlingen an bayerischen Hochschulen“ kann auf der Homepage von Hochschule Bayern eingesehen werden.